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Sind Märchen (Klein)kind-tauglich?!

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Mein Sohn (5) wollte heute das Märchen Hänsel und Gretel erzählt bekommen. Ich fing also an:
„Und die Mutter überredete den Vater, die Kinder im Wald auszusetzen“ (ich kam ins stocken…)
„Die Kinder fanden nicht mehr nach Hause und verliefen sich im Wald“ (ob Kinder an der Stelle Angst bekommen?)

„Eine Hexe, die eine Menschenfresserin ist“ (Mein Sohn lauscht gebannt der Geschichte, er weiß ja wie es weitergeht. Ich frage mich, ob so was bei Kindern Alpträume bringen kann?!)
„Die Hexe macht Gretel zur Dienstmagd und mästet Hänsel in einem Käfig, um ihn später aufzuessen.“ (Jetzt wird es wirklich ekelig, finde ich. Ich schaue zu meinem Sohn, aber der findet die Geschichte spannend, denkt er sich nichts dabei?)
„Gretel schiebt die böse Hexe in den Ofen“ (und mein Sohn erzählt den Rest der Geschichte… und ich frage mich insgeheim, ob Hänsel und Gretel (Klein)kind-tauglich ist :-))

Sind Märchen kindertauglich?

(1) Die Themen und Personen

Es gibt Märchen, die handeln von hübschen Mädchen, Prinzessinnen und Prinzen (z.B. Aschenputtel, Schneewittchen, Froschkönig). Natürlich gibt es dort auch immer den bzw. oft die Bösewicht(erin) wie die Stiefmutter, aber ich lese diese Märchen gerne vor.

Und es gibt Märchen wie Hänsel und Gretel, die nur so gespickt ist mit Themen und Personen, von denen Kindern Angst bekommen (könnten). Ich sage absichtlich „könnten“, denn Kinder fragen aus meiner Erfahrung zwar genau nach („Warum will die Hexe den Hänsel braten?“), aber interessanterweise können Kinder oftmals so gut abstrahieren, dass sie es auch als Geschichte erkennen und gut und böse unterscheiden und das Happy End des Märchens sie für alles Böse entschädigt. Ich komme aber trotzdem jedes Mal – wie oben beschrieben – ins Stocken, wenn ich ein Märchen wie Hänsel und Gretel erzähle oder vorlese.

(2) Die Sprache

Märchen lesen sich nicht flüssig und sind auch nicht einfach zu verstehen, wenn man sie vorliest. Es fällt mir immer wieder auf, wenn ich ein Märchenbuch zur Hand nehme und daraus die Gute-Nacht-Geschichte vorlese. Der Satzbau ist oft umständlich, die Wörter sind veraltet und die Sätze sind zu lang. Ich bin deshalb dazu über gegangen, die Sätze abzuwandeln während des Vorlesens, ich improvisiere sozusagen. Ich erzähle das Märchen, ohne aus einem Buch vorzulesen, und mein Sohn ergänzt und erzählt mit. Dies ist wiederum eine besonders schöne Erfahrung der Interaktion, finde ich.

(3) Und die Moral von der Geschichte …

Jedes Märchen hat einen Lerneffekt und sei es nur „sprich nicht mit Fremden“ (Schneewittchen) :-) Märchen geben viel Gesprächsstoff und Möglichkeiten mit dem Kind die Geschichte zu besprechen.

(4) Zusammengefasst ist meine Meinung dazu …

Märchen sind schön, Märchen sind Kulturgut und Kinder sollen Märchen kennen und vorgelesen bekommen. Ich persönlich versuche die „schönen“ Märchen vorzuziehen und ein Märchen, in der „eine menschenfressende Hexe, die ein Kind braten will“ vorkommt, lasse ich lieber weg. Wenn möglich. Denn die Welt kennt auch Gut und Böse und alles Böse kann man vor Kindern auch nicht (für immer) vestecken. :-)

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